Keith
André Sobryan ist tot. Für einige der "infact" Leser, die in der Paulskirche
am 1. Dezember 1996 waren, wird die Erinnerung an seine eindruckvolle Gestalt,
an seinen Auftritt und an sein Charisma noch erinnerlich sein: André,
der Aktivist und Theatermensch aus Georgetown - Guyana, einem der ärmsten
Länder an der nordöstlichen Küste Südamerikas, was politisch
- kulturell der Karibik zugezählt wird, der soviel positive Energien
ausstrahlte und so stark wirkte. Pralles Leben voll von Bedrohung.
André
war der Aktivist in seinem Land und einer der engagiertesten in der Karibik.
AIDS hatte ein (prachtvolles) Gesicht in Guyana und in der Karibik. Er war
mutig und verzweifelt zugleich; mutig weil in den homophoben Gesellschaften
der Karibik alle sexuellen Abweichungen von der puritanischen Norm mit extremen
Sanktionen belegt wurden und werden, wo Recht auf Privatheit und Vertraulichkeit
nicht existent sind (André bekam die Nachricht seines HIV Status vom
Beamten des amerikanischen Konsulats (!) übermittelt, als er ein Visum
beantragte, um seine
kranke Mutter besuchen zu können; er sah sie nie wieder vor ihrem Tod,
was ihn über ein Jahr lang in eine tiefe Depression stürzte); verzweifelt,
weil nicht nur die Bürokratien und Politiker in seinem Land sich um AIDS
und die Menschen, die mit der Infektion leben wenig scherten (als ich ihn
im Januar 1999 zum letzten Mal in Georgetown traf erzählte er mir von
dem Kampf, den es auszuhalten galt um eine Selbsthilfegruppe von Menschen,
die mit dem Virus leben gründen zu wollen: "warum wollt ihr einen
Verein gründen, ihr werdet ja eh bald alle gestorben sein", war
die Reaktion des Beamten), verzweifelt: auch weil die wenigen, direkt Betroffenen
oder nicht , die sich für AIDS engagierten, sich oft in zahllosen Eifersüchteleinen
und Konflikten untereinander aufrieben, verdächtigten und gegeneinander
arbeiteten, als solidarisch zu sein. André war bekannt, nicht nur in
der vielfältigen Szene in Georgetown, durch die er mich nicht ohne Stolz
in einer lau-tropischen Nacht im Januar 1999 führte, er war auch respektiert:
Gründungs-mitglied verschiedener Organisationen wie "Artist in Direct
Support", "The Caribbean Forum of Lesbians and Gays oder "The
Caribbean Regional Network of People Living with AIDS". Sein Tod und
seine Beerdigung waren nationale Ereignisse. Es wäre ihm vermutlich über
seine Verbindungen und seine Bekanntheit leicht gefallen, an eine der wenigen
Möglichkeiten zur medikametösen Therapie heranzukommen. Er hat dies
immer abgelehnt. Er hatte seine eigene Vorstellung von Würde und Kampf.
Wir
von "One World - One Hope", die wir gehofft haben, noch ein paar
Jahre mehr zusammen mit André zusammensein zu können und alle,
die auch nur für wenige Momente ihn erlebt haben , werden sein Andenken
bewahren.
Für "One-World-One-Hope e.V.": info@one-world-one-hope.de