HIV/AIDS
- die aktuelle Situation
(Stand Ende 2006)
Internationale
Organisationen schätzen, dass Ende 2006 weltweit knapp 40 Millionen Menschen
mit dem HI – Virus oder mit AIDS leben (Diese Schätzung ist etwas geringer als
in den Jahren zuvor, was mit einer besseren Datenlage erklärt wird). Ungefähr 4.3
Millionen Menschen haben sich mit dem Virus in 2006 angesteckt. 90% dieser
Menschen leben in Entwicklungsländern, fast 2/3 davon in Afrika südlich der
Sahara. Es wird geschätzt, dass seit dem Ausbruch der Pandemie bereits fast 30
Millionen Menschen an AIDS verstorben sind und über 14 Millionen Kinder zu
Waisen geworden sind.
In
einigen der am stärksten betroffenen Regionen Afrikas sind mehr als ein Drittel
der erwachsenen Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren infiziert. Die
Lebenserwartung bei Geburt der Menschen in dieser Region ist um mehr als 10
Jahre zurückgegangen.
Die
stärksten Anstiegsraten der Epidemie finden in den letzten Jahren in Teilen
Osteuropas statt. Für die bevölkerungsreichen Länder wie China und Indien
werden massive Epidemien in den nächsten 10 Jahren erwartet.
In
den westlichen Industrienationen, Japan und Australien bleiben die
Infektionsraten auf niedrigem Niveau stabil. In Deutschland infizieren sich
2-3.000 Menschen pro Jahr, hauptsächlich Schwule, Drogenabhängige, aber auch
immer mehr junge Frauen.
Die
Entwicklung wirkungsvoller Impfstoffe ist bisher nicht gelungen. Von
weitreichender Bedeutung auf den Verlauf der Epidemie und ihre Auswirkungen
sind die antiretroviralen Medikamente. Damit wurde zunächst in den reichen
Ländern die Todesrate bei AIDS weitgehend abgesenkt. Durch den Druck der
betroffenen Gruppen, NROen und Entwicklungsländer ist es gelungen, die Preise
für die potenten Medikamente für die Entwicklungsländer auf weniger als 1/10
des Niveaus der Industrieländer zu senken. Damit und mit der Bereitstellung
neuer internationaler Finanzmittel hat sich die Möglichkeit eröffnet, dass ein
bestimmter Prozentsatz der Menschen mit AIDS in den Entwicklungsländern ebenfalls
Zugang zu den lebensverlängernden Medikamenten bekommt. Die WHO schätzt, dass
Ende 2006 etwas mehr als 2 Millionen (oder 28%) der Menschen, die eine
antiretrovirale Therapie in den Entwicklungsländern benötigen, Zugang zu
solcher haben. Auch wenn dies noch ein geringer Anteil ist, so ist die
Steigerungsrate seit 2003, wo nur 1 % Zugang hatten beachtlich.
Aktuelle
Daten zum weltweiten Ausmaß und Verbreitung der Epidemie erhalten Sie
bei UNAIDS.
Informationen
über die Krankheit, ihre Epidemiologie, ihre Übertragung und ihre Prävention
in Deutschland erhalten Sie bei der Deutschen AIDS-Hilfe,
dem Robert-Koch-Institut und der Bundeszentrale
für gesundheitliche Aufklärung (BZGA).
Das HIV-Virus wird in den Entwicklungsländern vor allem durch Sexualkontakte übertragen. Aus biologischen, kulturellen und sozio-ökonomischen Gründen sind junge Frauen besonders gefährdet. Ungefähr 60 Prozent der weiblichen HIV-Infizierten sind Frauen unter zwanzig Jahren. Je mehr Frauen das Virus in sich tragen, desto mehr Säuglinge infizieren sich vor und während der Geburt oder durch das Stillen.
Kinder und Jugendliche sind als Infizierte und/oder als Waisen am stärksten von den Auswirkungen der Epidemie betroffen. Im Umfeld der Geburt infizierte Kinder oder nicht-infizierte Kinder mit HIV-positiven Müttern und Vätern haben in vielen Entwicklungsländern nur geringe Überlebenschancen. Wegen der Pflege kranker Familienangehöriger und der Übernahme des Haushaltsvorstandes können viele Jugendliche vorhandene Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten nicht wahrnehmen. Das betrifft insbesondere Mädchen und führt in vielen Familien zu sogenannten "Armuts-Dynastien". In einigen Ländern spricht man bereits von einer "Jugend ohne Zukunft".
Andererseits sind Jugendliche beiderlei Geschlechts die wichtigste Zielgruppe jeder HIV/AIDS-Prävention, da sie (noch) nicht mit HIV infiziert sind und ihre sexuellen Orientierungen und Verhaltensweisen erst entstehen ("window of hope"). Bei ihnen besteht die größte Chance, ein selbstbestimmtes, partnerschaftliches und gewaltfreies Sexualverhalten zu fördern.
Nach
wie vor verdrängen und verharmlosen in vielen Ländern die Verantwortlichen und
Meinungsführer (z. B. Kirchen) das Problem. Themen wie Sexualität und
Sexualverhalten, sexuelle Ausbeutung von Mädchen und Frauen werden tabuisiert.
Frühzeitige und umfassende Aufklärung wird dadurch erheblich erschwert.
Die
mangelnde Leistungsfähigkeit von Gesundheitssystemen in Entwicklungsländern
führt unter anderem dazu, dass andere Geschlechtskrankheiten, die das Risiko
einer HIV-Übertragung deutlich erhöhen, nicht behandelt werden. Kondome sind
häufig nicht verfügbar, HIV-Tests mit einhergehender Beratung selten.
Die
Entwicklung wirkungsvoller Impfstoffe ist bisher nicht gelungen.
Kombinationstherapien senken die Virusbelastung in fast allen Fällen bedeutsam,
jedoch ohne AIDS heilen zu können. In den Entwicklungsländern gibt es
Fortschritte beim Zugang für diese Therapien. Die reichsten Länder der Welt (G
8) und die Vereinten Nationen haben sich in 2005 und 2006 verpflichtet, die
Mittel zur Verfügung zu stellen, die einen universellen Zugang für alle
Menschen, die Therapien, Prävention und Unterstützung brauchen („Universal
Access to comprehensive prevention programmes, treatment and care and support“)
bis zum Jahre 2010 bereit zu stellen. Ob das indes erreicht werden wird, bleibt
recht zweifelhaft.
Die
Folgen von HIV/AIDS sind für die Gesellschaften in den stark betroffenen Ländern
verheerend. In Simbabwe und Botswana wird bis zum Jahr 2010 ein Rückgang der
durchschnittlichen Lebenserwartung um 22 Jahre erwartet, in Kenia um 18 Jahre.
Familien verarmen, denn gerade die produktivsten Mitglieder von Familien und
Gemeinschaften fallen der Krankheit zum Opfer. Alle gesellschaftlichen Bereiche
wie Erziehungssystem und Nahrungsmittelproduktion sind betroffen.
Armut in ihren verschiedensten Dimensionen und Facetten ist der gesellschaftliche
Nährboden, auf dem die Epidemie sich verbreitet, und ihre Auswirkungen sind
wiederum gewichtige Faktoren in der Verarmung von Bevölkerungsgruppen. Auch
international setzt sich der Zusammenhang zwischen Verarmung und HIV/AIDS
fort: Sozial und ökonomisch ohnehin schwache Länder und Bevölkerungsgruppen
sind einem erhöhten Risiko einer HIV-Übertragung ausgesetzt und leiden gleichzeitig
in dramatischer Weise unter den Auswirkungen der Epidemie.
Zu den Errungenschaften moderner Gesellschaften gehört unter anderem der allgemeine Zugang zu Bildung, der Zugang zu Gesundheitsdiensten und -leistungen, der Abbau von sexueller und ökonomischer Ausbeutung, die Demokratisierung von Lebenswelten. Langfristig und international wird eine erfolgreiche Bekämpfung von HIV/AIDS daher daran gebunden sein, dass in einer großen Anzahl von Ländern breite Bevölkerungsschichten weitgehenden Anschluss an diese Errungenschaften erhalten.